Eine kurze Geschichte von jemand, der keine Zeit hat

Eigentlich gab es für das Individuum noch nie so viel freie Zeit wie heute, dennoch klagt jeder über Stress und Hetze. Mit diesem Phänomen beschäftigen sich vor allem die Psychologen. Time Management, die Kunst die Zeit optimal zu nutzen, wird in zahlreichen Kursen und Büchern angeboten.

Vielleicht könnte da aber auch ganz einfach der englische Physiker Julian Barbour weiterhelfen. Er ist davon überzeugt, dass es die Zeit überhaupt nicht gibt. Seine Theorie beruht auf den von ihm postulierten “Nows”. Nows stellen eine unendliche Abfolge von “Augenblicken der Zeit” dar. Dabei bewegen sich die Atome im Weltall nicht in einem von Raum und Zeit bestimmten Rahmen. Vielmehr verschmelzen Materie und Raum zu einer Abfolge einzigartiger Konfigurationen, die das gesamte Universum umfassen. Sie sind die fundamentalen Elemente des Kosmos. Und es gibt unendlich viele von ihnen, jedes davon ist ein eingefrorener Moment der Zeit. Ein immerwährendes Jetzt.

Vorstellen muss man sich das folgendermaßen: Wenn man alle Nows eines sich entwickelnden Universums nebeneinander legt, so Barbour, würden sie so etwas wie einen Pfad bilden, der den Kosmos durchzieht wie Steinplatten einen Garten. Jeder Punkt dieses Pfades entspricht einer anderen Anordnung von Materie. Jemand, der diesen Pfad abschreitet, erlebt ein Universum, das kontinuierlich von einem Zustand in den nächsten wechselt. Weil jeder dieser Zustände mit vielen anderen korrespondiert, entsteht der Eindruck, jeder Punkt dieses Weges habe eine klar definierte Vergangenheit und Zukunft. Das wiederum erzeugt die Illusion von Zeit. Sicher eine der radikalsten physikalischen Theorien über die Zeit.

Geschafft. Herr K. Ist erschöpft aber glücklich. Irgendwie hat es doch noch geklappt, der Katalog ist unter Dach und Fach. Ein Jahr Arbeit, die letzten vier Wochen purer Stress. Ungezählte Tassen Kaffee, vierhundertachtundsechzig Seiten, vier Sprachen. Drei Tage frei. Dann geht es in die nächste Runde. Und so schlimm war's eigentlich gar nicht.

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